Myome
Myome sind gutartige Geschwülste der Gebärmutter, die hauptsächlich aus Muskel- und Bindegewebe bestehen. Entsprechend ihrem Sitz in der Gebärmutter unterscheidet man verschiedene Formen. Intramurale Myome wachsen in der Wand des Gebärmutterkörpers. Subseröse Myome liegen unter dem Bauchfellüberzug (Serosa) des Uterus und wachsen nach außen resp. in Richtung der Bauchhöhle. Gelegentlich sind sie lediglich durch einen Stiel mit dem Gebärmutterkörper verbunden. Submuköse Myome liegen unter der Gebärmutterschleimhaut (Mukosa oder Endometrium) und wölben sich in die Gebärmutterhöhle vor. Auch sie können gestielt vorkommen und finden sich dann gelegentlich im Gebärmutterhals oder liegen sogar vor dem Muttermund.
Myome können enorme Ausmaße erreichen. Kindskopfgroße oder sogar darüber hinaus gehende Exemplare sind keine Seltenheit und verleihen ihren Trägerinnen dann gelegentlich das Aussehen einer Schwangeren im vierten oder fünften Monat. Häufig treten Myome nicht nur einzeln, sondern zu mehreren in der Gebärmutter auf. Man spricht dann von einem Uterus myomatosus. Mit dem etwas saloppen Begriff „Kartoffelsack-Uterus“ werden Gebärmütter bezeichnet, die von einer Vielfalt unterschiedlich lokalisierter Myome durchsetzt sind.
In den meisten Fällen sind Myome jedoch kleinere Knoten, die zumeist als Zufallsbefunde im Rahmen der Vorsorge- oder Ultraschalluntersuchungen entdeckt werden und keine Beschwerden machen. Ab dem 35. Lebensjahr lassen sie sich bei jeder vierten Frau nachweisen. Solche Myome bedürfen keiner Behandlung.
Weil es kaum Myome vor der Pubertät und nach den Wechseljahren gibt, liegt die Vermutung nahe, dass ihr Wachstum mit dem Hormonhaushalt der Frau zusammenhängt. Östrogene spielen eine entscheidende Rolle beim Myomwachstum. Genetische Faktoren scheinen Einfluss zu haben, auch Übergewicht wird (wahrscheinlich durch die Produktion von Östrogenen im Fettgewebe) als Risikofaktor für die Entstehung der Muskelgeschwülste angenommen.
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Generell gilt: Myome, die keine Beschwerden machen, müssen nicht behandelt werden. Zu den häufigsten durch Myome hervorgerufenen Beschwerden gehören verstärkte und/oder verlängerte Regelblutungen. Das Ausmaß der Beschwerden hängt dabei weniger von der Größe als vielmehr vom Sitz des Myomes ab. Submuköse, in die Gebärmutterhöhle hineinreichende Myome verursachen Blutungsstörungen, weil sie die Abheilung der menstruellen Wunde behindern. Intramurale Myome beeinträchtigen die Fähigkeit der Gebärmutter, sich zusammenzuziehen, ein wichtiger Faktor für die Blutstillung. Auch hieraus resultieren verlängerte Blutungen. Subseröse Myome machen zumeist keine Blutungsstörungen.
Druck- und Verdrängungsbeschwerden treten zumeist bei subserösen Myomen auf, wenn diese eine außergewöhnliche Größe erreichen. Bei nach vorne ausladenden Myomen kann es zu einem Druck auf die Harnblase kommen. Da die Blase sich nicht mehr ausreichend füllen kann, ist ein vermehrter Harndrang die Folge. Auch Störungen der Blasenentleerung kommen vor.
Nach hinten wachsende Myome drücken dagegen auf den Enddarm, was erschwerten Stuhlgang zur Folge haben kann. Gelegentlich bestehen die einzigen Beschwerden auch nur in einem diffusen „Fremdkörpergefühl“. Bei Bewegung, beim Sport oder beim Sex verspüren die betroffenen Frauen dann, „dass da etwas in meinem Bauch ist“.
Nur selten machen sich Myome durch Schmerzen bemerkbar. Diese treten allenfalls kombiniert mit den Blutungen auf, wobei auch dann nicht sicher ist, ob die Myome die eigentliche Schmerzursache darstellen. Ein sehr akuter, heftiger Schmerz entsteht, wenn subseröse Myome, die manchmal an Stielen hängen wie kleine Äpfel, sich um diese Stiele drehen und das Myom nicht mehr mit Blut versorgt wird. Das daraus resultierende Bild des „akuten Bauchs“ ist die einzige Myombedingte Komplikation, die eine sofortige, notfallmäßige Operation erforderlich macht. Glücklicherweise sind solche Komplikationen selten.
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Die sicherste Diagnostik zur Feststellung und Verlaufsbeobachtung von Myomen stellt die vaginale Ultraschalluntersuchung durch den Frauenarzt dar. Große Myome können allerdings manchmal in ihrer ganzen Ausdehnung nur von der Bauchdecke aus untersucht werden. Auch die Untersuchung der Nieren und ableitenden Harnwege gehört dann dazu, da sehr große Myome durch Druck auf die an der seitlichen Beckenwand verlaufenden Harnleiter auch Abflußstörungen mit Aufstau des Urins in das Nierenbecken verursachen können. Andere bildgebende Untersuchungsverfahren wie Computertomographie oder Kernspintomographie des Becken- und Bauchraumes sind nur sehr selten begründet.
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Myome, die keine Beschwerden verursachen, müssen nicht behandelt werden. Falls infolge starker Monatsblutungen eine Blutarmut (Anämie) auftritt, sollte erwogen werden, das Myom zu entfernen; außerdem beispielsweise dann, wenn die Frau während der Menstruation unter Schmerzen oder verstärkten Blutungen leidet oder wenn ein Myom schnell wächst. Auch wenn feststeht, dass Myome die Ursache für Kinderlosigkeit sind, sollten sie operiert werden.
Auch nach Abschluß der Familienplanung ist die Gebärmutter ein erhaltenswertes Organ und das Vorliegen einer gutartigen Geschwulst muß eben nicht zwangsläufig zur vollständigen Entfernung der Gebärmutter führen. Die häufigsten Therapieverfahren sind heute minimal invasiv, also durch endoskopische Verfahren wie operative Bauchspiegelung oder Gebärmutterspiegelung durchführbar. Bei den Organ erhaltenden Operationen werden die Muskelgeschwülste aus dem gesunden Gewebe der Gebärmutter ausgeschält (sog. Enukleation). Diese Eingriffe sind sowohl über einen Bauchschnitt, wie auch – abhängig vom Sitz des Myomes und der Erfahrung des Operateurs – per Bauchspiegelung möglich, wobei hierfür nur ein Krankenhausaufenthalt von wenigen Tagen nötig ist. Myome, die unter der Gebärmutterschleimhaut (submukös) liegen, können über den Weg der Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) häufig vollständig entfernt werden. Eleganterweise benötigt die Hysteroskopie keinen neu zu schaffenden operativen Zugangsweg, da die schlanken Instrumente durch den Gebärmutterhalskanal in die Gebärmutterhöhle eingebracht werden. Auch Polypen, also gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut, die ebenfalls häufige Ursache von Blutungsstörungen sind, können so entfernt werden.
Die Gefahr, daß es an der verbleibenden Gebärmutter zu einem erneuten Myomwachstum kommt, besteht natürlich bei jedem Organ erhaltenden Vorgehen und muss in dem Aufklärungsgespräch vor der Operation ausführlich erörtert werden. Manchmal findet sich auch erst während des Eingriffes selbst eine Fülle so genannter Myomkeime, die im Rahmen der vorausgegangenen Ultraschalluntersuchung nicht sichtbar waren. Bei abgeschlossener Familienplanung und Ausschluss einer > HPV-Infektion des Muttermundes ist dann zumeist die suprazervikale > Hysterektomie, also die Entfernung nur des Gebärmutterkörpers unter Belassung des Gebärmutterhalses, die bessere Lösung, da ein weiteres Wachstum dieser Keime nach der Operation sehr wahrscheinlich ist. Selbstverständlich muß ein solches Vorgehen ebenfalls vor der Operation abgesprochen sein.
Bei vollständiger Entfernung der Gebärmutter kommen als Zugangswege der Bauchschnitt (abdominale Hysterektomie) oder der Weg durch die Scheide in Frage (vaginale Hysterektomie). Die Anhangsorgane der Gebärmutter, also Eileiter und die Hormon produzierenden Eierstöcke (Ovarien) werden dabei übrigens in der Regel belassen. Für ihre Entfernung benötigt man jedenfalls eine eigene Begründung aus einer krankhaften Organveränderung.
Variationen sind außerdem die Bauchspiegelung als alleinige oder in Kombination mit einem Eingriff von der Scheide aus durchgeführte Operation zur Gebärmutterentfernung. Auch hier liegt der Entscheidung für ein bestimmtes Verfahren neben der Verfügbarkeit am durchführenden Krankenhaus die sorgfältige Abwägung aller Vor- und Nachteile zugrunde.
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