Kniegelenkersatz / Knieendoprothetik aufgrund von Verschleißerkrankung des Kniegelenkes (Gonarthrose)
Zu Beginn macht sich die Gonarthrose oft nur langsam und schleichend bemerkbar. Sie kann aber später schnell voran schreiten und zu zunehmenden Schmerzen mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Beweglichkeit führen.
Ursache für die Verschleißerkrankung sind meist eine mechanische Fehlbelastung (z. B. „O“- oder „X“- Bein) oder eine verminderte Widerstandsfähigkeit des Knorpels bei entzündlichen Gelenkveränderungen („Rheuma“).
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Wenn das Gelenk bewegt wird verhält sich der Knorpel wie ein Schwamm: Bei Belastung wird Flüssigkeit aus dem Knorpelgewebe herausgedrückt und beim Entlasten wieder eingesogen.
Eine zu hohe Belastung, beispielsweise bei einer Fehlstellung, wie einem„X“- Bein, aber auch eine Unterbelastung, durch Bewegungsmangel stört die Knorpelernährung. Diese Mangelernährung vermindert die Widerstandskraft des Knorpels. Auch entzündliche Gelenkerkrankungen verschlechtern die Zusammensetzung der Gelenkflüssigkeit und somit die Knorpelernährung.

Das menschliche Kniegelenk ist zwar hoch belastbar aber auch sehr sensibel. Durch die großen Knochenhebel von Ober- und Unterschenkel und den Zug der Muskulatur wirkt sich beim Gehen oder Laufen jedes Kilogramm des Körpergewichtes mit ca. 3 - 4 Kilogramm auf die Belastung der Gelenkfläche aus. Verringert sich, durch eine angeborene oder erworbene Fehlbelastung zusätzlich der kraftübertragende Anteil der Gelenkfläche um die Hälfte, erhöht sich der Druck auf dier Gelenkfläche um das vierfache.
Beim „O“- Bein wird die Innenseite des Kniegelenks überbelastet und die Außenseite eher unterbelastet, beim „X“- Bein ist es umgekehrt. Die Gelenkflächen zwischen Kniescheibe und Oberschenkel können gleichzeitig, aber auch alleine betroffen sein. Auch Verletzungen des Meniskus (elastischer Knorpelpuffer zwischen Ober- und Unterschenkel), seine Entfernung oder die Gelenkinstabilität nach einem Bänderriss stören das Belastungsgleichgewicht und leisten einer Verschleißerkrankung Vorschub. Übergewicht, schwere körperliche Arbeit oder sich wiederholende Bewegungsabläufe beschleunigen sie.
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- Erstes Anzeichen: Müdigkeitsgefühl nach längeren Gehstrecken, noch kein Auftreten von Schmerzen aber der Wunsch nach einer Pause wird häufiger.
- Mit fortschreitendem Gelenkverschleiß: Ziehen, Druckgefühl, leichte Schmerzen im Knie oder auch im ganzen Bein.
- In der nächsten Phase: Auftreten von Schmerzen während längerer Gehstrecken, beim Gehen auf unebenem Boden und/oder beim Treppensteigen. Möglicherweise vorübergehendes Anschwellen des Gelenkes.
- Typisch ist der sog. „Anlaufschmerz“: Beim Aufstehen nach längerem Sitzen oder morgens aus dem Bett sind erste Schritte schmerzhaft. Sie müssen sich erst „einlaufen“.
- In der Spätphase: Auftreten von Ruhe- und/oder Nachtschmerz.
- Je mehr Schmerzen auftreten desto mehr kommt es zur Vermeidung schmerzhafter Bewegungen. Folge: Die Muskulatur verspannt und verkürzt sich, eine Schonhaltung wird eingenommen, Gelenkkapsel und Bänder schrumpfen. Schließlich nimmt das Bewegungsausmaß des Kniegelenks ab und das Ende der Bewegung ist schmerzhaft.
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- Als Erstes wird der Gelenkknorpel abgenutzt. Er ist im Röntgenbild nicht direkt zu erkennen, stellt sich als schwarzer Spalt (= durchlässig für Röntgenstrahlen) also als Abstand zwischen den knöchernen Gelenkpartnern dar. Mit zunehemendem Knorpelabbau wird der „Gelenkspalt“ daher immer schmaler, bis beide Knochen einander schließlich berühren.
- Mit ansteigender Belastung reagiert auch das Knochengewebe. Es verstärkt sich im Bereich der Überlastung. Am Röntgenbild ist dann eine Sklerose (Verdichtung) als helles Band (=undurchlässig für Röntgenstrahlen) zu erkennen. Im unterbelasteten Anteil sieht der Knochen eher transparenter aus als normal.
- An den Gelenkkanten bilden sich zunehmend Osteophyten (Knochenwülste).
- Im überbelasteten Bereich kommt es zu punktuellen Durchblutungsstörungen, der Knochen stirbt ab und es entwickeln sich kleine Zysten (Hohlräume). Häufig treten sie paarweise gegenüber liegend an den benachbarten Knochenteilen auf.
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Seit wann und wie oft treten welche Beschwerden auf?
Wodurch werden sie ausgelöst?
und wie lassen sie sich lindern (Belastungen, Sport)?
Haben Sie sich schon selbst behandelt (Hausmittel)
und was hat Ihr Arzt verordnet (Medikamente, Krankengymnastik)?
Haben Sie weitere Krankheiten?
Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig?
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Danach liegt in der Regel eine erste Diagnose vor, die ggf. durch weitere bildgebende Untersuchungen bestätigt und/oder von ähnlichen Krankheitsbildern abgegrenzt wird.
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Ist zusätzlich eine Achsenmessung erfoderlich wird das ganze Bein zusammen mit Hüft- und Sprunggelenk abgebildet.
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Die MagnetResonanzTomographie (MRT, = Kernspintomographie: Schnittbildaufnahme mit Magnetfeldern), arbeitet nicht mit Röntgenstrahlen, sondern misst den Gehalt an Wasserstoffatomen in unterschiedlichen Geweben. Auf den Bildern werden sowohl der Knochen als auch Weichteile wie Knorpel, Bänder, Muskeln und Sehnen dargestellt. Im Anfangs- oder Mittelstadium einer Verschleißerkrankung kann es sehr hilfreich sein, z.B. einen reinen Meniskusschaden von einem Gelenkknorpelverschleiß abzugrenzen oder vor einer geplanten Operation das Ausmaß des Knorpelschadens zu beurteilen.
Computertomographie
Nur bei speziellen Fragestellungen ergänzt eine Computertomographie (CT, Schnittbildaufnahme mit Röntgenstrahlen) die herkömmlichen Röntgenbilder. Das CT liefert ein dreidimensionales Bild des Kniegelenkes, anhand dessen das Gelenk genau vermessen und vor allem Drehfehler beurteilt werden können.
Sonografie
Die Sonografie (Ultraschalluntersuchung) des Kniegelenks ist bei der Diagnostik der Gonarthrose von untergeordneter Bedeutung. Sie erlaubt aber eine Beurteilung der begleitenden Weichteilveränderungen, die im Röntgenbild nicht erkennbar sind.
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Mit folgenden vorbeugenden Maßnahmen können, Sie selber dem Entstehen der Erkrankung entgegen wirken oder in einem Anfangsstadium ihre Entwicklung verlangsamen.
Haben Sie eine überwiegend sitzende Tätigkeit?
- Bewegen Sie wiederholt Ihre Beine!
- Stehen Sie so oft wie möglich auf und gehen ein paar Schritte!
- Besonders geeignet sind Radfahren, Schwimmen, NordicWalking und Ski-Langlauf.
- Ungeeignet sind sog. Stop-and-go-Sportarten wie Tennis, Tischtennis, Squash und Badminton sowie die meisten Mannschaftssportarten wie Handball, Fußball, Volleyball etc.
- Treiben Sie regelmäßig Gymnastik!
- Trainieren und Dehnen Sie Ihre Muskulatur!
- Dehnen Sie verkürzte Gelenkkapseln und Bänder!
- “Ein Kilo in der Hand - aber auch am Bauch - bedeuten 4 Kilo fürs Knie!“
- Benutzen Sie keine Einkaufstasche sondern einen Einkaufswagen!
- Benutzen Sie wenn möglich eine Rolltreppe oder einen Fahrstuhl.
- Entlasten Sie Ihr Gelenk durch Verwenden eines Handstocks!
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Eine gezielte Krankengymnastik mit anschaulicher Anleitung zur Eigentherapie lindert Ihre Beschwerden, kräftigt die Muskulatur und hilft Ihnen Ihre Beweglichkeit deutlich zu verbessern.
Balneotherapie (Wärme und Kälte) und physikalische Therapie
Anwendung von Wärme oder Kälte, Ultraschall und Elektrotherapie ergänzen die Behandlung. Sie führen zu einer Durchblutungssteigerung und damit zu einer Verbesserung der Gelenkernährung.
Finden bevorzugt Verwendung da sie neben ihrer abschwellenden, entzündungshemmenden Wirkung auch einen unterschiedlich starken schmerzstillenden Anteil haben. (Beispiele: Ibuprofen, Diclofenac, Indometacin)
Knorpelaufbaupräparate:
Präparate mit erwiesener Wirksamkeit sind Gelatine, Chondroitinsulfat, Glucosaminsulfat. Voraussetzung ist dabei allerdings eine „Kur-Behandlung“ über 6-12 Wochen
Reine Schmerzmedikamente:
Reine Schmerzmedikamente sind bei der Behandlung von Arthrose nicht die erste Wahl, da sie lediglich die Schmerzempfindung herabsetzen aber nicht gegen die Entzündungsvorgänge wirken. (Beispiele: Paracetamol, Metamizol, Valoron, Tramadol)
Hyaluronsäure ist ein normaler Baustein des gesunden Gelenkknorpels. Das im Labor hergestellte Molekül wird in das Gelenk hineingespritzt und dort in den Knorpel eingebaut. Es stabilisiert ihn, glättet die Verwerfungen auf seiner zerstörten Oberfläche und verbessert die Gleiteigenschaften der Gelenkflüssigkeit.
Cortison:
Cortison ist der beste bekannte Entzündungshemmer. Typische Nebenwirkungen (z. B. Bluthochdruck) treten überwiegend dann auf, wenn das Medikament als Tablette oder Gefäßinjektion in den Blutkreislauf gerät. Bei der Injektion in ein Gelenk sind diese Nebenwirkungen nur in Ausnahmefällen zu erwarten.
Arthroskopie: Gelenkspiegelung
Bei einer Arthroskopie können mit einer bleistiftdünnen Optik und kleinen Instrumenten, die über zwei ca. ½-Zentimeter großen Schnitten ins Gelenk eingeführt werden, fast alle Schädigungen im Inneren des Kniegelenkes behandelt werden.
Zerstörtes Meniskusgewebe und eine Gelenkinstabilität fördern die Entwicklung der Arthrose. Daher wird zerrissenes Meniskusgewebe entfernt oder unter bestimmten Voraussetzungen auch genäht, gerissene Kreuzbänder werden meist durch anderes körpereigenes Sehnengewebe ersetzt (Kreuzbandplastik). Bereits verschlissener Knorpel wird oberflächlich geglättet. Tiefe Knorpeldefekte können durch Anzüchten von Faserknorpel oder durch eine Knorpeltransplantation gedeckt werden.
Umstellungsosteotomie: Korrektur von Fehlstellungen
Die Umstellungsosteotomie korrigiert eine Achsfehlstellung, also das „O“- oder „X“- Bein. Hierdurch wird der zuvor überbelastete innere oder äußere Gelenkanteil entlastet.
Die Korrektur erfolgt entweder durch die Entnahme eines Knochenkeils oder das keilförmige Aufspreizen und Ausfüttern des Knochenspaltes mit Knochen aus dem Beckenkamm. Die Operation kann gelenknah am Oberschenkel, am Unterschenkel oder selten auch an
beiden Knochen gleichzeitig erfolgen. Die Knochenflächen werden mit Klammern oder Metallplatten und Schrauben mit einander verbunden.
Bis der Knochen nach ca. 12 Wochen stabil verheilt ist, besteht eine sog. Übungs- aber nur eingeschränkte Belastungsstabilität. Für den Patienten bedeutet es, dass er für 12 Wochen auf 2 Unterarmgehstützen angewiesen ist. Diese Operation empfehlen wir nur, wenn zu erwarten ist, dass damit eine Endoprothese mindestens um 5 Jahre, besser noch um 10 Jahre hinausgezögert werden kann.
Stabilisierungsmethoden am Unterschenkel
Das Kniegelenk ist kompliziert aufgebaut, sein Bewegungsablauf ist durch ein künstliches Gelenk sehr viel schwieriger nachzuahmen als z. B. der des Hüftgelenks. Daher bedurfte es auch einer deutlich längeren Entwicklungsarbeit, bis gut funktionierende Knieendoprothesen zur Verfügung standen. Heute stehen ausgereifte Produkte verschiedener Hersteller zur Verfügung.

Die Form der Endoprothese und die Operationstechnik beim Einsetzen sind vom Ort und dem Ausmaß der Knorpelschädigung, dem Grad der Achsfehlstellung und der Stabilität des Kapsel-Band-Apparats abhängig.
Die Verankerung im Knochen
Die Verankerung im Knochen kann zementfrei oder zementiert erfolgen.
Eine zementfreie Endoprothese verklemmt sich zunächst im Knochen, der anschließend an ihrer aufgerauten Oberfläche anwächst. Zementierte Endoprothesen werden mit einem dem Acrylglas ähnlichen Kunststoff in den Knochen eingegossen („zementiert“).
Nach bisherigem Wissensstand gibt es beim künstlichen Kniegelenk zwischen beiden Verankerungen keinen Unterschied in der Überlebensdauer des Implantats. Wir verwenden beide Verfahren, häufiger jedoch die zementierte Version, da der Acrylzement kleinere Ungleichmäßigkeiten im Knochen ausgleicht, bei denen eine zementfreie Knieendoprothese möglicherweise nicht optimal einwächst.
> Bikondyläre (beidseitige) Schlittenprothese – das Standardimplantat mehr...
> Achsgeführte Gelenke – die Verkoppelung mehr...

Unikondyläre Schlittenendoprothese
Diese „kleine“ Knieendoprothese ist geeignet, wenn eine nur auf die Innenseite begrenzte Arthrose vorliegt und der Knorpel zwischen der Patella (Kniescheibe) und ihrem Gleitweg am Oberschenkel intakt ist. Weiterhin müssen die Beinachse gerade und die Kniebänder stabil sein. In der Regel sind diese Voraussetzungen nur nach einem Unfall oder der Ahlbeck-Erkrankung (umschriebene Durchblutungsstörung am medialen Condylus) erfüllt.
Bei der Operation wird der zerstörte Knorpel mit einer dünnen Knochenschicht abgehoben und durch das Implantat ersetzt. Auch an der Kniescheibenrückfläche ist der Ersatz des zerstörten Knorpels durch einen Kunststoffknopf möglich. Das Kunstgelenk wird durch den natürlichen Kapsel-Bandapparat gehalten. Lediglich das vorder Kreuzband muß entfernt werden. Voraussetzung für einen einwandfreien Bewegungsablauf ist die Korrektur einer fehlerhaften Beinachse und Balancierung. gelockerter Seitenbänder.

Eine Erweiterung der bikondylären Schlittenprothese sind sog. „modulare Implantatsysteme“. Diese Systeme erlauben, an den Ober- und der Unterschenkelkomponenten Stiele anzubringen sowie bei Knochendefekten nach einem Unfall oder bei einer Wechseloperation, die Knochenauflagen durch Metallkomponenten zu unterfüttern.
Alle hochwertigen, modernen Implantate bedeuten für Sie die langfristige Linderung Ihrer Schmerzen und einen uneingeschränkten Bewegungsablauf in Ihrem Alltag – wir empfehlen Ihnen den individuell für Sie am besten geeigneten Typ.
Die herkömmliche Operationstechnik birgt, vor allem bei ausgeprägten Achsfehlern, gewisse Fehlerquellen. Durch die computerassistierte Operation mit einem Navigationssystem lassen sich diese jedoch auf ein Minimum reduzieren - für den Patienten bedeutet das ein Höchstmaß an Sicherheit. So wie das Navigationssystem im Auto den Fahrer berät aber nicht selber steuert, gibt das Navigationssystem dem Operateur Informationen über die Ausrichtung der Operationsinstrumente, die Stellung der Beinachse und die Stabilität des Bandapparats. Operiert wird mit diesen Informationen jedoch weiterhin von Hand.
Für den Patienten bedeutet eine gerade Beinachse und höhere Beweglichkeit eine bessere Funktion des künstlichen Gelenkes aber vor allem die beste Voraussetzung für eine lange Haltbarkeit der Endoprothese.
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Ziel ist es, dass der Patient nach einer Operation so schnell wie möglich wieder vollkommen genesen kann. Deshalb wählen wir individuell eine möglichst schonende Operationstechnik aus.
In der Regel kann der Patient schon am Tag der Operation mit der Physiotherapie beginnen. Bei normalem Verlauf sowie guter gesundheitlicher Konstitution darf das Gelenk nach wenigen Tagen wieder voll belastet werden und der Patient ist nur für ca. 6 Wochen auf 2 Unterarmgehstützen angewiesen.
Und zur vollkommenen Gesundung raten wir, an den Krankenhausaufenthalt eine stationäre oder ambulante Rehabilitation anzuschließen. Wir beraten Sie gerne bei der Auswahl einer Einrichtung und übernehmen auch die Antragsformalitäten beim jeweiligen Kostenträger.
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