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Behandlungsspektrum, EuromedClinic

Chronischer Tinnitus


Ein Ohrgeräusch kann nach monatelangem Verlauf chronisch werden. Dabei treten Prozesse auf, die zu einer „Zentralisierung“ des Ohrgeräusches führen, das Ohrgeräusch „nistet“ sich in Gehirnstrukturen der Hörbahn ein.
Chronische Ohrgeräusche betreffen in Deutschland etwa 4 Millionen Menschen, bevorzugt im Erwachsenenalter. Im Kindesalter treten chronische Ohrgeräusche nur sehr selten auf.
Häufig haben Betroffene einen langen Weg von einem zum nächsten Arzt, (…Heilpraktiker, Wunderheiler …) hinter sich und wenden sich nach ausbleibendem Erfolg an einen nächsten Therapeuten. Die psychische Belastung ist sehr unterschiedlich, wir gehen davon aus, dass einige wenige Prozent der Betroffenen eine erhebliche Beeinträchtigung im Alltag erleiden.

Heutige Behandlungsansätze liegen vor allem in psychotherapeutischen Verfahren (im weiteren Sinne u.a. Verhaltenstherapie, Retrainingtherapie, Behandlungen in Tinnituskliniken). Beim Vorliegen von Hörstörungen spielt eine optimale Hörgeräteversorgung oft die entscheidende Rolle. Medikamente kommen nur in speziellen Fällen in Frage.

Die HNO Abteilung in der EuromedClinic ist an der Erforschung der Wirkung der rTMS im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Studie der Universität Regensburg beteiligt. Die Stimulationen werden seit Herbst 2007 in unserer Klinik vorgenommen.
Die Studie ist zum Nachweis der Wirksamkeit außerordentlich wichtig. Die bisherigen Untersuchungen zeigen die Sicherheit des Behandlungsverfahrens und haben erste Erfolge eindeutig gezeigt. Nur durch eine vergleichende Studie mit einer wirksamen Stimulation verglichen mit einer „Plazebo“ Stimulation kann aber stichhaltig nachgewiesen werden, ob der Aufwand der Stimulation für eine Behandlung auch zu Lasten der Kostenträger in Zukunft gerechtfertigt ist.

Eine Kostenübernahme durch Pflichtversicherungen ist derzeit nicht möglich, da die Magnetstimulation zur Behandlung von Tinnitus noch keine Zulassung in Deutschland besitzt. Im Rahmen eines sog. Heilversuchs können in begründeten aussichtsreichen Fällen private Krankenversicherer die Kosten übernehmen.

Behandlungen im Rahmen der Studie finden in der EuromedClinic auch für pflichtversicherte Patienten KOSTENFREI statt. Nach einer Prüfung der Kriterien, die für eine Beteiligung in der Studie nötig sind (Alter, Hörfähigkeit, Begleiterkrankungen u.a.) und ausführlicher Information und schriftlicher Aufklärung erfolgt eine Behandlungsserie über 2x5 Sitzungen an zwei aufeinanderfolgenden Wochen (reine Behandlungsdauer jeweils ca. 30 min). Es schließt sich eine Nachbeobachtung über 3 Monate an. Dabei werden die Veränderungen der Ohrgeräusche und im Hörvermögen u.a. genau beobachtet und dokumentiert. (Bei Interesse ist eine tel. Kontaktaufnahme oder Anfrage per email gerne möglich).


Die Erkenntnisse aus Forschungsarbeiten der vergangenen Jahre haben heute die „Hörrinde“ des Gehirns in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Auf der linken Gehirnseite im sogenannten Temporallappen (im Schädel über dem linken Ohr gelegen) befindet sich die Region, die bei ca. 80% der Tinnituspatienten eine besondere Aktivierung zeigt. Ein ganz neuer Behandlungsansatz wurde Anfang 2001 in der Univ. Regensburg daraus abgeleitet: Die Anwendung der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS). Dieses ist ein Verfahren, bei dem mit einer Kupferspule, durch die ein Stromstoß geschickt wird, ein kurzzeitiges magnetisches Feld erzeugt wird. Das Magnetfeld führt wiederum zu einem kleinen elektrischen Feld in dem angepeilten Hirngewebe (elektromagnetische Induktion) und zu einer Beeinflussung des Nervengewebes. Diese Spule wird so über dem Schädel platziert, dass die Gehirnregion in der das Ohrgeräusch vermutet wird, von einem Magnetimpuls getroffen wird. Das geschieht schmerzfrei und berührungslos. Durch eine wiederholte Anwendung des Magnetfeldes (deshalb die Bezeichnung repetitiv) wird – so vermutet man - mittelfristig (innerhalb weniger Wochen) eine neurobiologische Umstrukturierung in dem Nervengewebe bewirkt. Dabei werden wieder hemmende Nervenimpulse aufgebaut und damit das Ohrgeräusch „ausradiert“. Das funktioniert bis heute zwar nicht vollständig aber doch soweit, dass die meist stark betroffenen Patienten eine deutliche Erleichterung verspüren.
Diese Erkenntnisse waren sensationell besonders weil auch Menschen mit langjährigen Ohrgeräuschen erstmals eine wirksame Therapie bekamen.

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